Erste Arbeitstage

Hallöchen, ich bin’s wieder mit den ersten Berichten von meiner Arbeit und von meine Gastfamilie sowie dem ersten Wochenende hier in Mindo! Ich würde ja sagen: Seid gespannt! Aber ehrlich gesagt ist gar nicht so viel Spannendes passiert xD Eher einfach viel Neues. Na gut, irgendwie ist das ja auch ein bisschen spannend. Bildet euch einfach selbst eine Meinung! (Trigger Warnung: Spinnenbild ganz am Ende des Beitrags!!)

Am Freitag war mein erster Arbeitstag bei SALEM und um ehrlich zu sein, war ich total überfordert und wusste die meiste Zeit nicht wohin mit mir. Erst einmal habe ich eine kleine (Ein)Führung von Jonas, dem Direktor von SALEM, bekommen. Das war ersteinmal jede Menge Dinge und Regeln, die ich mir merken muss (und ich hoffe, dass ich sie mir merken werde!!!). Beim Mittag habe ich auch den anderen Freiwilligen aus Österreich ein bisschen kennengelernt und wir haben uns ein bisschen unterhalten. Mittagessen bekomme ich immer dort vor Ort und das beste ist, dass alles vegetarisch ist. Fernanda, die Köchin, kocht auch eeeeeecht lecker. In Ecuador ist es sehr typisch zum Mittag zu erst eine Suppe zu essen und danach Reis mit Beilagen (meistens Fleisch, aber in diesem Fall natürlich nicht :D). Allerdings muss ich zugeben, dass die Suppen mir bisher nicht soooo dolle zugesagt haben. Sie sind nicht total ekelhaft, aber gibt auch besseres. Kann man essen, würden andere sagen. Was ich auch total spannend finde, ist, dass es zu den Suppen oft Popcorn (salzig) oder auch Banane gibt. Schmeckt überraschend gut! Zur ecuadorianischen Küche aber an anderer Stelle mehr.

Nach meiner Mittagspause sind dann langsam die ersten Kinder eingetroffen und ich habe angefangen, sie kennezulernen. Nachdem die Kinder Mittag gegessen hatten, wurde eine kleine Vorstellungsrunde gemacht und ich hab mir leider nicht mal die Hälfte der Namen merken können. Danach wurde dann ein kleiner Ausflug gemacht zu einer Wanderausstellung, die den Freitag und das Wochenende in Mindo war und auch dort habe ich mich sehr fehl am Platz gefühlt, obwohl manche Kinder unbedingt meine Hand halten wollten (sehr süß finde ich). Danach ging es wieder zurück nach SALEM und es gab zum Abschluss noch ein paar Früchte. Die Kinder sind dann langsam nach Hause und ich dann etwas später auch.

Der erste Tag hat mich total auseinander genommen und ich hatte total Angst, dass ich absolut nichts auf die Reihe kriegen werde. Mit diesem Gefühl bin ich dann ins Wochenende gestartet, was vielleicht nicht ganz so optimal war, aber ich konnte das Wochenende trotzdem ganz gut genießen. Meine Gastfamilie ist am Samstag noch einmal zu der Ausstellung gegangen, bei der ich auch schon am Freitag war, aber ich habe gedacht, dass ich einfach noch einmal mitgehe und so alle ein bisschen kennenlerne. Das fand ich tatsächlich ganz schön. Am Abend waren wir noch bei einer Art Fest im Dorf (irgendetwas mit einer virgen und auf jeden Fall kirchlich, aber nach der Messe auch mit Musik und allem!). Meine Gastfamilie scheint nicht gerne zur Messe zu gehen, weshalb wir erst danach runter ins Dorf sind, um danach das Fest zu genießen und das Feuerwerk anzuschauen. Mir taten die ganzen Tiere (Hunde, aber vor allem auch die wild lebenden Vögel) total leid. Schön war es natürlich trotzdem, aber Fan von Feuerwerk bin ich auf gar keinen Fall.

Am Sonntag sind wir dann relativ früh schon Richtung der Ziplines hier bei Mindo aufgebrochen. Da meine Gastfamilie anscheinend gute Connections zu den Besitzern hat, konnten wir das sogar kostenlos machen! Hier im Dorf kennen sich wirklich fast alle untereinander, das ist total ungewohnt, dass sich ständig alle begrüßen und sich auch zu kennen scheinen. Das hat auf jeden Fall seeeeehr Spaß gemacht. Auch wenn es eine sehr touristische Aktivität ist, war es cool so über den Wald zu fliegen und die Todesschaukel (wie ich sie nenne) war auch crazy. Wie die Schwester meiner Gastmutter (sie ist btw 14 xD) sagen würde: Se me fue el alma al cielo. Das beschreibt das Gefühl dieser Schaukel ganz gut finde ich. Während dieser ganze Zeit wurde ich außerdem förmlich von Mücken aufgefressen. Das schlimme an diesen Mückenstichen ist, dass sie nicht aufhören zu jucken, wenn man sie für eine Weile in Ruhe lässt. So ist es zumindest meistens bei mir bei den deutschen Mücken. Oder ist das bei euch sonst auch so? Ich fühle mich wie so ein Influenzer, wenn ich jetzt sage: Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare xD Nach den Ziplines sind wir noch den kleinen Fluss von Mindo mit zusammengebundenen aufgeblasenen, schwarzen Reifen runtergeschwommen. Das war auch ziemlich wild, weil es echt viele Steine gibt und der Fluss wirklich nicht tief ist. Die Guides haben auf jeden Fall oft im Wasser gestanden, um uns anzuschubsen. Danach waren wir natürlich total durchnässt und meine Sachen haben ein paar Tage zum Trocknen gebraucht. Meine Schuhe sind immer noch nicht trocken. Generell trocknet hier nichts so richtig und alles ist gefühlt immer klamm. Das ist deutlich nerviger, als ich erwartet habe. Daran muss ich mich echt noch gewöhnen und ehrlich gesagt weiß ich nicht, ob das jemals passieren wird :,)

Montag ging es dann wieder mit der Arbeit los und ich hab mich immer noch sehr verloren gefühlt. Allerdings habe ich Stück für Stück mehr von meinen Aufgaben kennengelernt (die jetzt erst einmal vor allem aus beobachten bestehen), was auch Stück für Stück dafür gesorgt hat, dass ich mich weniger fehl am Platz fühlen lässt. Versteht mich nicht falsch, ich fühle mich immer noch total überfordert und fehl am Platz, aber bisher ist das jeden Tag ein kleines bisschen weniger geworden und ich hoffe, dass es auch genauso weitergeht. Am Montag habe ich außerdem meinen Arbeitsplan bekommen. Ich werde erst einmal in jeder Casa einen Tag sein und dann sozusagen durchwechseln. Habe ich euch eigentlich schon den Aufbau von SALEM erklärt? Falls ja, könnt ihr den nächsten Absatz gerne überspringen (oder eure Erinnerung noch einmal auffrischen). Falls nein, bitte sehr:

Die Kinder in SALEM werden in 3 Häuser (hier „casas“) aufgeteilt. Das wird zum einen über das Alter, aber auch deren Entwicklungsstand entschieden. Die kleinsten sind in Casa 1 (ca. 4 – 7 Jahre alt), dann gibt es Casa 2 ( 8 – 12 Jahre alt) und Casa 3 (13 – 16 Jahre alt). Jede Casa hat ihren eigenen Guía (Pädagog:innen), die sozusagen die Casa leiten. Nachmittags gibt es dann abhängig vom Tag sowohl Aktivitäten gemeinsam als auch Aktivitäten nur in der eigenen Casa.

Ich werde deshalb jeden Dienstag in Casa 2 sein, jeden Mittwoch in Casa 3 und jeden Donnerstag in Casa 1 (ich bin gespannt auch morgen!). Montags und freitags gibt es meistens gemeinsame Aktivitäten, an denen ich dann auch teilnehme.

Wie gesagt, ich hoffe, dass ich mich jeden Tag einfach ein bisschen mehr einfinde und am Ende vielleicht sogar auch einen Workshop oder so anbieten kann. Aber die ersten paar Wochen werde ich mich auf diese Weise eingewöhnen. Nicht nur an die Arbeit muss ich mich gewöhnen, die übrigens immer von 10 bis 17:30 ist, was ein relativ großer Unterschied zur Schule ist, sondern auch an die Sprache, die überraschend schwer verständlich ist. Dadurch, dass ich mit dem spanischen Dialekt Spanisch gelernt habe, fällt es mir natürlich auch am leichtesten, diesen zu verstehen. Der ecuadorianische Dialekt ist schon sehr anders. Es gibt viele andere Wörter und Ausdrucksweisen und auch die Aussprache ist teilweise echt verschieden. Bei den Kindern kommt noch dazu, dass sie manchmal (oder vielleicht auch meistens) etwas undeutlich sprechen und ich dann noch viel weniger verstehe. Dadurch ist es schon zu eeeeecht vielen Missverständnissen gekommen. Trotzdem bin ich sehr froh, dass ich schon vorher Spanisch sprechen konnte und deshalb viel weniger Sprachbarrieren habe. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie das mit den Kindern gewesen wäre, wenn ich absolut kein Spanisch gesprochen hätte. Am Ende hätte das bestimmt auch irgendwie geklappt, aber ich bin trotzdem sehr froh!

Eine andere Sache, an die ich mich aber sehr gerne gewöhne, ist die Aussicht aus meinem Zimmer. Davon kann ich echt nicht genug bekommen. Auch nicht vom ersten Stück meines Weges zur Arbeit. Dadurch, dass das Haus etwas abseits im Wald liegt, sind sowohl der erste Teil des Weges als auch die Aussicht totaaaaaaal toll. Ich liebe es, wie die Wolken so oft in den Bergen hängen und es oft ein kleines bisschen nieselt (vor allem nachmittags). Daran kann ich mich echt gewöhnen. An die hohe Luftfeuchte allerdings nicht. Pfui.


Bis hoffentlich ganz bald,

Edda

PS: Heute habe ich das erste mal eine wirklich große Spinne gesehen. Das war zum Glück aber draußen, sodass ich ganz ohne Schrecken und Angst, sie in meinen Schuhen vorzufinden, mit meinem Tag weiter machen konnte xD