Weintrauben und jede menge Geschenke

Hallo, da bin ich mal wieder! Ich wollte euch ja noch von Silvester und den drei heiligen Königen erzählen. Ich weiß, das kommt jetzt erst ein bisschen später, aber ich hoffe ihr freut euch trotzdem darauf, ein paar der spanischen Treditionen kennenzulernen! Was es mit dem Titel dieses Posts zu tun hat, werdet ihr dann beim Lesen herausfinden (auch wenn ich mir sicher bin, dass einige von euch schon so eine Vorahnung haben werden hehe).

Eine Sache, die mir total gut gefallen hat, war der Ausflug nach Toledo. Zwischen den Jahren bin ich mit meiner Gastfamilie nach Toledo gefahren, eine kleinere Stadt südlich von Madrid. Es war ein bisschen, wie in einem mittelalterlichen Film gefühlt. Wir haben die riesige Kathedrale, kleine Gassen und auch die Stadt von oben gesehen! Ganz besonders gut hat mir das Marzipan gefallen, denn Toledo ist berühmt für sein Marzipan. Wir haben in einem Kloster, in dem die Nonnen Marzipan herstellen, ein wenig gekauft und es war sau lecker (und ich bin eigentlich nicht so der Marzipan-Fan). Mit dem Bus sind es nur 30 Minuten und es ist sogar beim Abo meiner Transportkarte mit dabei, obwohl es nicht in der autonomischen Gemeinschaft Madrid ist! Ich muss auf jeden Fall nochmal mit ein paar Freunden dort hin!

Jetzt aber weiter zu Silvester: Am Morgen des 31.12. haben wir nichts Besonderes gemacht, aber am Nachmittag sind Sofía und ich nochmal nach Madrid gefahren, um noch ein paar Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Weihnachtsgeschenke? Jap. Weihnachtsgeschenke. Weihnachten geht hier nämlich noch ein bisschen länger. Um genau zu sein, bis zum 06.01. also bis zu den heiligen drei Königen. Ihr habt ja Recht, ich sollte es besser Heilige-Drei-Könige-Geschenke nennen. Also. Mensch, jetzt habt ihr mich aber ein bisschen vom Thema abgelenkt.

Am Abend sind wir dann zu Silvester zum Abendessen zur Familie meines Gastvaters gefahren, um zusammen das neue Jahr zu feiern. Kurz vor 0 Uhr wurde dann der Fernseher angemacht, denn dort läuft immer eine Sendung, die alle schauen. Dort wird mehr oder weniger das neue Jahr anmoderiert, aber in meiner Gastfamilie wurde es nicht so ernsthaft geguckt, nur der wichtige Teil um 0 Uhr. Dort gibt es nämlich Glockenschläge einer Uhr auf dem Platz La Puerta del Sol. Zu Silvester sind tausende Menschen dort und warten darauf, dass die Uhr 12 schlägt. Hier kommen nun die Weintrauben ins Spiel. Und zwar wird bei jedem Glockenschlag eine Weintraube gegessen und wenn man es nicht schafft, hat man Unglück im nächsten Jahr. Das sagt man zumindest so, ich glaube da nicht dran, bin aber trotzdem ziemlich froh, dass ich es geschafft habe. Hört sich jetzt erstmal nicht so spektakulär an, aber es ist schwerer, als ihr denkt! Und da bin ich jetzt einfach ein bisschen stolz. Also hoffentlich gibt es ganz viel Glück dieses Jahr für mich.

Danach laufen auf jedem Sender (und wenn ich jeden sage, dann meine ich auch wirklich JEDEN) Lieder mit Text zum Mitsingen. Allerdings waren die natürlich alle auf Spanisch und ich kannte so gut wie keins und wie ihr vielleicht wisst, bin ich nicht so der Tanz-Mensch. Deshalb saß ich nur daneben und habe mich ein bisschen verloren gefühlt, aber das ist ok. Das passiert manchmal. Aber mit jedem Mal Zeit mit der großen Familie verbringen wird es besser und ich fühle mich ein Stück wohler. Tatsächlich ging der Abend recht schnell zu Ende, weil so gut wie alle der Cousins und Cousinen am Ende zu Partys oder so gegangen sind.

Am 01.01. sind wir dann zur Familie meiner Gastmutter gefahren und haben dort Mittag gegessen. Danach haben wir alle noch zusammen einen Spaziergang gemacht und ich habe endlich mal den Fluss von Madrid gesehen! Jaaaaaa, Madrid hat einen Fluss. Aber macht euch nicht zu große Hoffnung, der ist total dreckig und halb so breit wie die Saale in Halle (oder vielleicht sogar noch kleiner). Trotzdem schön, mit Park und so : )

Sooooo jetzt kommen wir endlich zu den heiligen drei Königen. Carmen (nochmal zur Erinnerung: meine jüngste Gastschwester) war schon am 05.01. total aufgeregt und ich konnte sie gerade noch dazu überreden, mich erst um 10 zu wecken statt um 8 und dafür war ich ihr sehr dankbar. Am 06.01. bin ich also um 10 Uhr aufgestanden. Das erste, das wir gemacht haben, war, die Geschenke zu öffnen. Meine Gastfamilie hat mir ein paar echt schöne Sachen geschenkt und ich hab mich total drüber gefreut! Danach haben wir alle zusammen Eierkuchen gefrühstückt, das war sehr cool! Kurz vor dem Mittag sind wir noch zu den Eltern meiner Gastmutter gefahren, um mit ihnen auch kurz zu feiern. Lange geblieben sind wir aber nicht, denn zu Hause hat schon das Mittagessen gewartet. Zum Vesper (das heißt hier merienda) sind wir dann zur Familie meines Gastvaters gefahren. Dort haben wir Roscón de Reyes gegessen (lest beim Essen im Menü nach, was das ist!). Danach haben wir alle die Geschenke übergeben. In meiner Gastfamilie machen sie jedes Jahr eine Art wichteln, sprich jeder bekommt eine ander Person zugeteilt und muss dieser Person etwas kaufen. Es war ganz lustig und ich habe noch ein paar andere schöne Sachen bekommen.

Ich denke ich bin jetzt richtig angekommen. Darüber bin ich so unglaublich glücklich. Ich denke ich habe mich jetzt eingelebt und einen Alltag in Spanien. Langsam hat sich alles normalisiert und ich finde es echt toll hier zu leben. Es war auf jeden Fall eine unglaublich gute Entscheidung, hier her zu kommen. Natürlich habe ich auch noch schlechte Tage, an denen ich euch alle so sehr vermisse, aber die meisten sind gut oder einfach normal. Sie sind einfach Tage! Und schlechte Tage hatte ich ja auch in Deutschland und werde sie auch wieder haben, wir alle haben schlechte Tage! Also insgesamt bin ich jetzt ziemlich glücklich hier 🙂

Manchmal stresst mich die Schule doch noch ein bisschen, das muss ich zugeben. Jetzt verstehe ich alles und wenn ich schlechte Noten bekomme, liegt es nicht mehr daran, dass ich nicht alles verstanden habe, sondern dass ich einfach nicht gelernt habe und dieses Gefühl mag ich nicht. Deshalb lerne ich jetzt in meiner Freizeit ein bisschen, aber ich glaube manchmal übernehme ich mich ein bisschen und lerne ein bisschen zuuuuuu viel. Meine Noten zählen schlißelich immer noch nicht und nächstes Jahr werde ich sicherlich genug zum Lernen haben (uff).

Mein Spanisch macht nachwievor kleine Fortschritte (kleine aber feine!!). Das frustriert mich alles manchmal noch ziemlich. Ich hoffe einfach, dass ich mein Spanisch immer weiter ein bisschen verbessern kann und es ist auch völlig in Ordnung, wenn ich am Ende nicht perfekt Spanisch spreche. Und soll ich euch was verraten? Bis zum Ende ist es noch ein bisschen hin und in dieser Zeit werde ich sicherlich noch jede Menge dazu lernen!

Ich hoffe ihr habt euch ein bisschen über diesen wirklich langen Bericht gefreut! Ich vermisse euch ein bisschen!


Bis bald, Edda