Das zweite Orientierungscamp

Am Wochenende war mein zweites Orientierungscamp. Ich habe viele Leute vom ersten Camp wieder getroffen, das fand ich ziemlich cool. Außerdem habe ich mich auch mit ein paar anderen Leuten unterhalten und sie so besser kennengelernt.

Am Samstagmorgen musste ich schon um 8:15 Uhr in Moncloa, einem zentralen Umsteigepunkt sein (falls ihr es noch nicht wusstet: Wenn ein Begriff in dieser Farbe und unterstrichen ist, heißt das meistens, dass ihr den Begriff anklicken könnt, um auf eine andere Website mit einer Erklärung oder ähnlichem zu kommen). Dort habe ich dann schon ein paar der anderen Asutauschschüler*innen aus Madrid getroffen. Zusammen sind wir dann mit dem Bus nach Galapagar gefahren. Das ist eine kleine Stadt im Nordwesten der Autonomen Gemeinschaft Madrid. Dort haben wir eine Nacht verbracht.

Ihr fragt euch jetzt bestimmt, was wir eigentlich in diesen Orientierungscamps überhaupt machen. Ich kann mir vorstellen, dass ihr euch nicht so gut vorstellen könnt, was wir da genau machen…

In den meisten Aktivitäten, die wir dort machen, geht es darum, über die verschiedenen Kulturen nachzudenken, zu erfahren, wie wir uns gut anpassen und verstehen können und unsere Erfahrungen zu teilen. Dabei reflektieren wir sehr viel unser Handeln, unsere Intentionen bzw. Gründe, weshalb wir etwas machen und unsere Wünsche bzw. Ziele. Zum Beispiel war am Samstag die erste Aufgabe, ein paar Fragen auf einem Blatt zu beantworten bzw. Sätze zu beenden, so etwas wie Puedo… (Ich kann…), Tengo miedo que… (Ich habe Angst, dass…) oder Quiero… (Ich möchte/will…). Ich muss ehrlich zugeben, dass mir so etwas immer ein bisschen schwer fällt. Ich finde es einfach nicht einfach meine eigenen Wünsche und Gründe für bestimmte Dinge, in Worte zu fassen. Deshalb ist es aber auch eine ziemlich gute Übung für mich. Besonders gefallen hat mir, dass wir uns die kleinen Gruppen, in denen wir gearbeitet haben, selber aussuchen durften. Dadurch habe ich mich ein bisschen sicherer und selbstbewusster beim Präsentieren der Ergebnisse gefühlt.

Es geht aber nicht nur um unsere eigenen Empfindungen, sondern auch um viel größere Themen, wie zum Beispiel Menschenrechte. Über diese Themen diskutieren wir und versuchen, sie besser zu verstehen. Für mich ist das immer ein bisschen schwieriger, weil wir in der großen Gruppe (etwa 30 Leute) darüber reden und davon lasse ich mich immer ein bisschen einschüchtern.

Zwischen den Aktivitäten haben wir immer wieder Energizer und kleine Pausen. Energizer sind kleine Spiele oder auch Tänze oder ähnliches, die uns ein bisschen energie geben sollen, damit wir wieder Kraft für die nächste Aktivität haben.

Was mir aber immer am besten an den Camps gefällt, ist das Reden mit den anderen Austauschschüler*innen in den Pausen und der Freizeit. Es ist so viel einfacher neue Freunde zu finden oder eine Verbindung zu vertiefen. Ich liebe es einfach, wenn ich mehr über andere Kulturen erfahren kann oder auch wenn ich über meine eigene Kultur reden kann.

Trotzdem fällt mir immer wieder auf, dass alle Austauschschüler*innen aus Madrid eine eigene kleine Gruppe sind. Ich bin aber nicht mit in der Gruppe und ich passe auch einfach nicht rein. Ich versuche es, aber ich habe einfach nicht das Gefühl, dass sich die anderen überhaupt ein kleines bisschen für mich interessieren. Ich habe keine Kraft, immer hinter allen herzurennen, ohne, dass sich die anderen wenigstens ein klein wenig anstrengen, mich kennenzulernen. Ich denke, dass ich es trotzdem weiter versuchen werde, denn es sind schon ein paar Leute dabei, die ich total nett finde, aber es ist trotzdem frustrierend. Heute habe ich es zum Beispiel wieder an einer bestimmten Sache gemerkt: Wir haben heute die Trimester-Schülerinnen verabschiedet, denn in zwei Wochen fahren sie wieder in ihre Heimatländer. Sie mussten viel weinen und haben sehr oft betont, wie schön sie es alles fanden und was sie für tolle Freunde gefunden haben. Ich muss ehrlich sagen, dass ich nicht besonders traurig war, weil ich einfach keine Verbindung mit ihnen habe. Das liegt denke ich vor allem daran, dass sie sehr viele Dinge zusammen unternommen haben, bei denen ich nicht dabei war, weil ich nichts davon wusste. Das macht mich immer wieder ein bisschen traurig, weil ich gerne mehr mit ihnen unternommen hätte.

Trotzdem bin ich froh, über die anderen Freundschaften. Ich verstehe mich super gut mit zwei Mädchen aus Thailand. Sie wohnen sogar in Madrid und ich bin sehr froh, dass ich sie als Freunde habe! Es macht echt Spaß, mit ihnen über so normale Dinge zu reden, über die man mit Freunden spricht und nicht nur Smalltalk oder über Kulturen austauschen (auch wenn ich das liebe!!).

Außerdem bin ich sehr dankbar für die ganzen tolle Freiwilligen, mit denen wir reden können, besonders aber für eine Frewiwillige, die in der Nähe von mir wohnt und obwohl sie nicht meine Kontaktperson ist, hat sie mir ihre Nummer gegeben und gesagt, dass ich ihr immer schreiben kann, wenn ich möchte. Ich hatte ihr auch schon einmal geschrieben, als es mit meinem Heimweh noch schlimmer war. Als sie mich am Samstagmorgen in Moncloa begrüßt hat, hat sie auch gesagt: „Heyyyy Edda, how are you??“. Darüber habe ich mich super gefreut, weil ich so das Gefühl habe, dass ich jemanden habe, dem ich auf jeden Fall solche Dinge anvertrauen kann. Natürlich weiß ich, dass dafür eigentlich meine Kontaktperson da ist, aber mit ihr fühle ich mich einfach wohler.

Sie hat mich während des Camps auch ein bisschen über die Schule und solche Dinge gefragt, wie es mir einfach so insgesamt geht. Als ich ihr dann erzählt hab, dass es einfach noch ein bisschen schwierig ist, weil ich nicht so super gute Freunde habe und damit auch keinen guten Grund mich auf die Schule zu freuen, meinte sie, dass das total ok ist. Als sie in Deutschland war (ja, sie war in Deutschland!), hat sie nicht so viele deutsche Freunde gefunden, aber viele Austauschschüler*innen. Das hat mich sehr motiviert und mich auch ein bisschen aufgebaut. Zum Schluss hat sie auch gesagt, dass ich auf jeden Fall auch mit ihr abhängen kann, wenn ich mag und dass ich dann mit ihrem Freund Deutsch sprechen kann (ja, sie hat einen deutschen Freund!!). Ob ich das wirklich in Anspruch nehme, weiß ich noch nicht, aber ich schätze es so unglaublich, dass sie mir das angeboten hat!

Insgesamt war das Camp echt gut und ich hatte viel Spaß 🙂

Ich vermisse euch!


Bis bald, Edda

PS: Ich habe gerade gemerkt, dass es mir echt gut tut, das alles mal so aufzuschreiben. Dadurch sehe ich nicht nur die schlechten Seiten!